Darmmikrobiom und Adipositas

Der Darm ist unsere Zentrale für die Energiegewinnung aus der Nahrung. Hierbei nimmt das Darmmikrobiom, alle im Darm lebende Mikroorganismen, eine wichtige Rolle ein.

Das Darmmikrobiom setzt sich zum Großteil aus zwei Bakteriengruppe zusammen: Firmicutes und Bacteroidetes. Zu Beginn der 2000er Jahre haben wissenschaftliche Studien Unterschiede im relativen Verhältnis dieser beiden Bakteriengruppen in Schlanken und Übergewichtigen und speziell bei Adipositas beobachtet, sowohl in Studien mit Menschen als auch mit Tieren (1–3). Es wurde beobachtet, dass bei Schlanken das Firmicutes-Bacteroidetes-Verhältnis (auch Firmicutes/Bacteroidetes-Ratio genannt) geringer als bei Personen mit Adipositas ist. Dieser hohe Anteil an Firmicutes bei Übergewicht wurde mit einer erhöhten Kalorienaufnahme durch das Darmmikrobiom in Verbindung gebracht. Firmicutes können gut komplexe, für uns unverdauliche, Kohlenhydrate (Ballaststoffen) abbauen und so vermehrt Energie (Kalorien) aus der Nahrung für uns verfügbar machen, was den Kampf gegen Extra-Pfunde für uns erschweren kann.

Weitere Untersuchungen haben verdeutlicht, dass der Zusammenhang von Darmmikrobiom und Adipositas über die Energiefreisetzung hinausgeht und vor allem auch funktionelle Wechselwirkungen bedeutend sind (4,5).

Zum Beispiel bildet das Darmmikrobiom beim Abbau von Ballaststoffen die sogenannten kurzkettigen Fettsäuren (z.B. Acetat, Butyrat, Propionat), welche für einen hohen Gesundheitsstatus bei Übergewicht und Adipositas als vorteilhaft betrachtet werden. So können kurzkettige Fettsäuren

  • als „Futter“ für viele gesundheitsförderliche Darmbakterien dienen, das Wachstum möglicher Krankheitserreger hemmen und die Artenvielfalt im Darmmikrobiom fördern
  • das Immunsystem ausbalancieren und Entzündungsreaktionen (im adipösen Gewebe) niedrig halten (6)
  • (Butyrat) als Energiequelle für Darmzellen dienen, den Schutz durch die Darmschleimhaut aufrechthalten, was das „leaky gut“ Syndrom vorbeugt (7)
  • (Propionat, Acetat) Appetit, also unser Essverhalten, beeinflussen (8–10).

Für ein Mikrobiom-gerichtetes Gewichtsmanagement kann das Verhältnis von Prevotella und Bacteroides, beide in der Obergruppe Bacteroidetes, als Prognose für die Strategiewahl dienen (11,12). Diese beiden Bakteriengattungen sind die Hauptvertreter der sogenannten Mikrobiom Enterotypen (Enterotyp 1: Bacteroides, Enterotyp 2: Prevotella), welche mit langfristiger Ernährungsweise in Verbindung gebracht werden (13).Gemeinsam ist den Enterotyp-basierten Gewichtsmanagement-Strategien der ganzheitliche Ansatz: abwechslungsreiche Ernährung die Artenvielfalt im Darmmikrobiom und einen gesunden Stoffwechsel im Körper zu fördern, um Adipositas zu behandeln.

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